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Raumluft und Gesundheit: Analyse wissenschaftlicher Studien

Aktualisiert: 13. Feb.

MAP Real Estate Internal Research



Grundsätzlich besteht kein Zweifel daran, dass die Qualität der Raumluft in Gebäuden multiple Auswirkungen auf die Personen hat, die sich darin aufhalten. Das ist sehr relevant für unsere Gesellschaft, weil wir uns durchschnittlich rund 90% unserer Zeit in Innenräumen aufhalten.


Die genaue Quantifizierung der Auswirkung der Raumluft auf den menschlichen Organismus ist hingegen naturgemäß schwierig. Zum einen besteht die Luftqualität aus einer Vielzahl von Indikatoren, für die geeignete Messverfahren entwickelt werden müssen. Zum anderen sind auch die gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen multidimensional. Dies reicht von einfachen Bewertungen des subjektiven Wohlbefindens bis hin zu Messungen von Arbeitsproduktivität oder kognitiven Fähigkeiten.

Was die Auswirkungen der Qualität der Raumluft auf die Gesundheit angeht, kann auf die große Anzahl von Studien zurückgegriffen werden, die sich mit der Luftqualität im Außenbereich befassen. So sind die negativen Folgen von hohen Feinstaubkonzentrationen für die Gesundheit seit langem ebenso belegt wie die Auswirkungen von Ozonwerten, Stickoxiden und anderen Luftschadstoffen, die auch in Innenräumen messbar sind. Neuere Untersuchungen belegen auch eine Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit durch schlechte Luftqualität auf Kinder und Erwachsene. Erkennbar ist das beispielsweise in statistischen Korrelationen von hohen Schadstoffkonzentrationen in der Luft der Städte und der Anzahl psychiatrischer Notfälle [1]. Die Auswirkungen können Depressionen, Angststörungen und zahlreiche andere psychische Erkrankungen sein.


Ein Forschungsarbeit aus dem Jahr 2016, die an der Harvard School for Public Health durchgeführt wurde, hat die Auswirkungen des Raumklimas auf die kognitive Leistungsfähigkeit untersucht [2]. Zum ersten Mal wurde dabei zu diesem Thema eine Blindstudie durchgeführt. Ähnlich wie in einer klinischen Studie wurden dazu Probanden, die in speziell präparierten Räumen einer Tätigkeit nachgingen, die von den kognitiven Ansprüchen her einer Büroarbeit ähnelte, ohne ihr Wissen an unterschiedlichen Tagen Variationen von Raumluftqualitäten ausgesetzt. Die Szenarien bestanden einerseits aus einer Raumluft, die in Bezug auf CO2-Gehalt und Anteilen flüchtiger organischer Verbindungen (Volatile Organic Compound, VOC) dem Durchschnitt US-amerikanischer Büros entsprach. Andere Szenarien simulierten höher belastete Raumluftbedingungen und besser belüftete Räume, andererseits aber auch noch höhere CO2-Konzentrationen.

Das wichtigste Ergebnis der Studie ist, dass die kognitiven Leistungen an den Tagen, an denen die Probanden sauberer Raumluft ausgesetzt waren, um durchschnittlich 61% bzw. sogar 101% höher waren, je nachdem wie „grün“ der Gebäudestandard war. Vor allem die Fähigkeit zu anspruchsvolleren kognitiven Tätigkeiten wie der Reaktion in Krisensituationen, der raschen Umsetzung von Informationen und strategischem Denken ist deutlich geringer. (Die Anzahl der Probanden war mit 24 gering, entspricht aber den Standards für Studien dieser Art.)


Eine Studie vom National Research Council Canada aus dem Jahr 2017 betrieb Grundlagenforschung mit dem Ziel, die Messmethoden zur Untersuchung der Auswirkungen von Luftqualität auf die Arbeitsproduktivität zu verbessern [3]. Gegenüber anderen Maßnahmen, deren monetäre Auswirkungen leicht messbar sind wie etwa die Veränderung des Flächenangebots pro Arbeitsplatz, steht die Luftreinhaltung in den Gebäuden seltener im Fokus der Investoren, weil ihre Vorteile sich nicht unmittelbar erschließen. Im Rahmen einer Meta-Studie wurden mehr als 500 Forschungsarbeiten weltweit ausgewertet. So liegen beispielsweise die Produktivitätssteigerungen, die sich durch eine bessere Belüftung der Arbeitsräume erzielen lassen, in den untersuchten Studien bei 2%-10%. Daraus wurden für zahlreiche Indikatoren wie die Fehlzeiten der Arbeitnehmer, die Arbeitsplatzzufriedenheit, das subjektive Wohlbefinden und viele Indikatoren mehr Benchmarks entwickelt, anhand derer sich die Auswirkungen von Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität abschätzen lassen.



Referenzen:

[1] IQAir, 2023: Is there a link between air pollution and mental health? https://www.iqair.com/newsroom/air-pollution-and-mental-health

[2] Allen JG, MacNaughton P, Satish U, Santanam S, Vallarino J, Spengler JD. 2016. Associations of cognitive function scores with carbon dioxide, ventilation, and volatile organic compound exposures in office workers: a controlled exposure study of green and conventional office environments. Environ Health Perspect 124:805–812

[3] Newsham, G. et al. 2017: Improving Organizational Productivity with Building Automation Systems. Boutique Multi Client Research Project.


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